21.04.2010
   DSTFB Home

 

National
DSTFB
 

17./18. April 2010 – Deutsche Einzelmeisterschaften in Berlin  

Der Spieler des Wochenendes heißt:
Björn Kegenbein

Kategorie Veteranen: Arnold Mair ist z. Zt. unser bester Veteran 

Prüften den Halberstädter Autobahnasphalt: Selsen & Büsing
Klick Foto zum Vergrößern
Auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaften 2010 lagen einige Stolpersteine herum. Zum Beispiel hatte ein isländischer Vulkanausbruch dafür gesorgt, dass Flüge nach und aus Berlin an diesem Wochenende komplett gestrichen worden sind. Der Veteranenspieler Thomas Vulpes war eines der Opfer der Aschewolke geworden und durfte stattdessen mit der Deutschen Bahn reisen. Doppeltes Unglück für ihn, dass ausgerechnet sein Zug aufgrund eines Selbstmordes drei Stunden auf offener Strecke stehen bleiben musste. Der komplette LV West-Konvoi startete am Samstagmorgen rechtzeitig gen Bundeshauptstadt los und bei Hannover hoffte man noch laut Berechnung des Navigationssystems auf eine Ankunftszeit von 10:30 Uhr. Eine Vollsperrung der A2 bei Halberstadt mit Bergungsarbeiten führte zu einem Megastau und über vier Stunden Wartezeit auf der Autobahn. Eine Geduldsprobe nicht nur für die Staumitglieder, sondern auch für die restlichen DEM-Teilnehmer, die auf einen pünktlichen Beginn um 12 Uhr gehofft hatten.

 

Selten hat es so ein gutes und ausgeglichenes deutsches Veteranenfeld gegeben, wie in diesem Jahr. In Gruppe 1 hatte es der Dortmunder Salice nicht nur mit den späteren Finalteilnehmern zu tun, sondern auch mit den Titelträgern der Jahre 2008 und 2009. Und der Titelverteidiger stand schon am Rande eines Ausscheidens in der Vorrunde. Nach dem torlosen Remis der Vorjahressieger konnte Salice in seiner Partie gegen Tilgner jeweils in Führung gehen. Der Berliner ließ sich jedoch nie von seinem typischen, besonnenen Spiel abbringen und glich jeweils aus. Mit zwei Punkten somit fast schon die halbe Miete für ´s Weiterkommen. Im entscheidenden letzten Spiel der Gruppe 1 stand Arnold Mair schon mit einem halben Bein im Aus. Salice wusste mit einem torlosen Remis wäre auch er zusammen mit Tilgner weiter, doch der Bayer schaffte wenige Minuten vor dem Abpfiff seinen einzigen Treffer der Vorrunde, der ihm für das Viertelfinale reichte. Bitter für Sandro Salice, der zuvor neun Stunden hinterm Lenkrad gesessen hatte und somit fernab einer optimalen Vorbereitung auf das Turnier gewesen war

 

Gelungenes Plakat, gute Werbung - Marcus sei Dank.
Klick Foto zum Vergrößern
In Gruppe 2 überzeugte vor allem der Zweite der Mair-Brüder, Wolfgang, mit präzisen Schüssen, die gemixt mit seinem Zeitlupen-Subbuteo eine gelungene Mischung aus Taktik und Können darstellten. Vorjahrsfinalist Büsing, auch eines der Stauopfer, wurde in beiden seiner Spiele zweimal kalt erwischt, als er gleich zu Beginn schnell mit zwei Toren in Rückstand geriet und nie richtig ins Spiel fand.

In Gruppe 3 wartete man, wie bereits eingangs begründet, lange bis es zum West-Schlager Mulasmajic – Hagenkötter kam. Klare Feldvorteile und die besseren Chancen waren auf Seiten des ehemaligen Bosnier zu erkennen, allerdings stemmte sich der Dortmunder Hagenkötter eindrucksvoll gegen eine drohende Niederlage. Roland Popp, als Dritter im Bunde, ist bekannt dafür, an zwei Wochenenden mal einen guten und mal einen schlechten Tag zu haben. Subbuteotechnisch sollte dies somit der Sonntag sein.

Die einzige Vierergruppe dieses Wettbewerbs bekam sinngemäß auch die Nr. 4 und es schien die leichteste zu sein, wenn man den allgemeinen Meinungen im Teilnehmerfeld Glauben schenken wollte. Uli Selsen, auch wie Salice mit neunstündigem Lenkradkontakt in den Fingern, bekam es knüppeldick in seinem ersten Spiel. Nach drei Minuten Spielzeit lag er bereits 0:2 gegen Janus Gersie hinten. In der Wartezeit auf den LV West waren bereits alle Spiele ohne Selsen-Beteiligung absolviert worden. Nach seinem verloren gegangenen Auftaktmatch wusste Selsen, gegen Thomas Vulpes ging es im Grunde genommen fast schon um Alles oder Nichts, denn dieser hatte bereits drei Punkte durch seinen Sieg gegen Thomas Pröhle. Und dass Uli Selsen zu den besten deutschen Veteranen zählt, bewies er durch eine couragierte Leistung gegen Thomas Vulpes, die mit einem entscheidenden Tor gekrönt wurde. Das Spiel gegen Pröhle musste zwar auch erst noch gewonnen werden, aber nach einer 2:0-Halbzeitführung schaute der Dortmunder wesentlich entspannter drein, als noch nach der 1. Halbzeit gegen Gersie.

 

Gegen die abgeklärte und präzise Kurzpassstrategie von Arnold Mair kann Frank Hagenkötter partout nicht spielen. Dies zeigte sich wieder im Viertelfinale. Wenig Ballbesitz für den Dortmunder, der – wenn er mal den Ball hatte – mit seinem typischen Hurra-nach-vorne-Subbuteo kein Land sah. Mit Reiner Vogt, dem Wahl-Berliner, und Janus Gersie trafen zwei Südwest-Spezies aufeinander, die genau wissen, wie man gegeneinander spielen muss. Beide bettelten förmlich um ein torloses Unentschieden bei 40-minütiger Spielzeit. Dann im finalen Zielschießen von den fünf Freistoßmarkierungen aus, entpuppte sich Vogt als sicherer Schütze. Nach vier Schüssen konnte er zufrieden sein Spielmaterial wieder einsammeln und schauen, wer ihn denn im Halbfinale erwarten würde. Das Duell Mulasmajic – Tilgner gilt auch als ein DSTFB-Klassiker. Einige Endspiele in dieser Konstellation gab es bereits in der Vergangenheit. Nun hatte mal wieder der Berliner die Nase vorn, der besonders in der zweiten Halbzeit das Spiel diktierte. Im vierten Viertelfinale zog es sich zäh dahin. Wenig Tempo, wenig Risiko, viel klein-klein und viel Sicherheitsgeplänkel. Für den Schiedsrichter eine leichte Partie, für die Zuschauer gähnende Langeweile. Spannung kam erst nach Ablauf der Extra-Time auf. Wolfgang Mair und Uli Selsen machten es spannend. Erst im dritten Durchgang stand mit dem Dortmunder ein glücklicher Sieger fest, der fast mit wehender LV West-Fahne eine Runde um den Düppel gelaufen wäre.

 

Herrlich: Arnold Mair, Schiri Thossa Büsing und Marcus Tilgner vor dem Veteranen-Endspiel
Klick Foto zum Vergrößern
Im Halbfinale traf Selsen dann auf den Berliner Tilgner, Organisator, Spielleiter, Sportwart und Topfavoriten in einem. Auch hier wieder ein eher zähes Spiel zweier, die mehr Wert auf Präzision, denn auf Tempo legen. Erstaunlich, wie Selsen trotz aller Strapazen, nach dem Halbzeitrückstand im Spiel blieb und erneut in die Verlängerung zog. Gegen einen trocken abgezogenen Tilgner-Flachschuss ins Eck hatte er dann keine Chance. Trotzdem, eine tolle Leistung des Dortmunders. Im zweiten Halbfinale spielten Arnold Mair und Reiner Vogt eine abwechslungsreiche Partie auf hohem Niveau und zudem torreich.

Im Finale bekam Schiri Büsing wenig zu tun. Zwei superfaire Sportskameraden spielten zu 99,9 % sicher und fehlerfrei. Die Verteidigungszüge von beiden passten alle wie im Lehrbuch, bis nach 29 Minuten und 53 Sekunden bei Marcus Tilgner sich der erste Fehler einschlich, den der bayrische Titelverteidiger wie ein überraschendes Geschenk dankend annahm. Nichts Spektakuläres eigentlich. Ein einfacher Verteidigungszug des Berliners ging daneben und Arnold Mair musste nur schnell schalten und kurzerhand zum am Ende glücklichen 1:0 einlochen.

 

Jugendkategorien: Kegenbein, Kwiatkowski und Kai Hagenkötter on top

Ohne die Konkurrenz eines ins Open-Lager entwachsenen Vorjahressiegers Dominik Schulz und des nicht mit nach Berlin gereisten Steven Breselg (TSL Dortmund) hatte Björn Kegenbein quasi freie Fahrt zum Titelgewinn. Locker und leicht bewältigte er seine Aufgaben und selbst im Finale, als sein Vereinskollege und Spielpartner aus zehntausenden von Spielminuten, Marcel Kwiatkowski, ihm gegenüber stand, löste er seine Aufgabe meisterlich. Marcel Kwiatkowski ging jedoch nicht leer aus. Er holte sich in 2010 seinen ersten Deutschen Meistertitel. Ihm gebührt die Ehre die U15-Meisterschaft gewonnen zu haben. Im U12-Finale standen sich Kai Hagenkötter (Dortmund) und Florian Powels (Berlin) gegenüber. Für den Titelverteidiger kein Spaziergang. Mit einem knappen 1:0 sicherte sich der junge Dortmunder wieder den begehrten Wanderpokal.

 

Unsere derzeit besten Jugendspieler: Kai Hagenkötter, Björn Kegenbein und Marcel Kwiatkowski.
Klick Foto zum Vergrößern
Leider fehlten aus den Süd und Südwest LVs alle talentierten Mitkonkurrenten. Nimmt man diese noch hinzu zu den in Berlin anwesenden Jugendspielern, kann man davon ausgehen, dass bei der WM in Rain in allen Jugendkategorien gute Mannschaften zustande kommen werden. Sportchef Tilgner hatte hier und da ein Auge für die Partien der Youngster und sich seine Notizen gemacht.  Bei Einigen gibt es allerdings noch vieles zu verbessern, besonders bei denjenigen, die noch relativ frisch dabei sind. Ein Felix Eger oder Adis Sarnoch haben zwar ein gutes Ballgefühl und wissen auch schon mal ein Tor zu erzielen, bei ihnen taten sich allerdings im Defensivbereich noch große Lücken auf. Felix Herrmannsdörfer, mit nur achttägiger Spielpraxis ausgestattet, schlug sich erstaunlich gut. Zwar fehlt ihm noch die Durchschlagskraft, allerdings versteht er es schon recht gut, Spielsituationen vorauszuschauen und passabel mit dem Torwart zu parieren. Enttäuschend die Performance von Aischa Mulasmajic, die sprachlos der geballten Subbuteowelt gegenüber stand.

 

Damen-Kategorie: Victoria Büsing mit Titel-Hattrick

Verdient und zum dritten Mal in Folge wurde Victoria Büsing Deutsche Damenmeisterin 2010. In einer Hin– und Rückspielrunde wurde die diesjährige Meisterschaft ausgetragen. Die beiden Berlinerinnen Willuhn und Mensel traten mit Trainingsrückstand an. Zwar hatte die dreimalige Deutsche Meisterin Anna-Lisa Mensel (2004—2006) nichts von ihrem Können verlernt, jedoch musste die Grand Dame erkennen, dass Victoria Büsing dank ihrer internationalen Erfahrung sich mittlerweile einiges an Vorsprung erarbeit hat.

 

Victoria Büsing in Erwartung einer Mensel-Ecke. 
Klick Foto zum Vergrößern
Das Potential bei Rabea Willuhn ist unverkennbar vorhanden. Es wäre schade, wenn die junge Berlinerin nicht mehr aus ihrem Talent machen würde. Wenig zu lachen hatte auch hier die Viertplatzierte Aischa Mulasmajic, die an der Platte zu gut wie gar nicht auffiel. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft in Rain bleibt es fraglich, ob es in diesem Jahr eine Damennationalmannschaft geben wird. Immerhin hat Anna-Lisa Mensel ihre Teilnahme in Aussicht gestellt. Eine Conny Vulpes vom der TSG Rain 1970 stünde auch noch im Raume. Also, vier könnten es werden…

 

Open-Kategorie: Phänomen Kegenbein

Im Grunde genommen gingen am zweiten Tag der Deutschen Einzelmeisterschaften wieder fast alle Veteranen, verstärkt durch die besten Jugendspieler im traditionellen 16er-Feld an den Start. Der Modus hat sich seit Jahren für ein Tagesturnier bewährt: 4 Vierergruppen in der Vorrunde und die beiden Erstplatzierten einer jeden Gruppe steigen in die KO-Runden (Viertelfinale, Halbfinale, Endspiel) auf.

In Gruppe 1 gesetzt steckt immer der Titelverteidiger, der in diesem Jahr der erst 17-jährige Björn Kegenbein von Sparta Spreeathen 74/82 sein sollte. Seine Subbuteo-Vita kann sich schon jetzt sehen lassen. 2 X Weltmeister (U19, U15), Vizeweltmeister mit der deutschen U19-Nationalmannschaft, Deutscher Mannschaftsmeister, Deutscher Einzelmeister und 4 X Deutscher Meister im Jugendbereich. Er bekam es in seiner Vorgruppe mit dem Routinier Roland Popp (Rain) und Nationalspieler Marcel Schulz (Dortmund) zwei harte Gegner zugelost, sowie mit Hendrik Broer einen Vereinskollegen, dem bei seiner ersten DEM-Teilnahme klar war, hier nur Lehrgeld zahlen zu müssen. So kam es dann auch. Nichtsdestotrotz hat Broer sich tapfer geschlagen und als fairer und talentierter Subbuteofreund dargestellt. Beeindruckend, schussfreudig und zielsicher zog Kegenbein seine Spuren über die grünen Berliner Baumwollfelder. Weder Popp noch Schulz wussten ihn zu stoppen. Bereits früh kam es zum vorhersehbaren Spiel um Platz 2, als sich der Rainer gegen den Dortmunder mit 2:1 in einem sehr engen Spiel am Ende knapp und glücklich durchsetzen konnte.

 

Die DEM war prima organisiert und zurecht gemacht.
Klick Foto zum Vergrößern
Erneut kam es, wie am Vortage bei den Veteranen, in Vorgruppe 2 zu einem Aufeinandertreffen der beiden TSLer Hagenkötter und Mulasmajic. Wieder standen sich zwei gleichwertige Hauruck-Schnipper mit ernormen Tordrang gegenüber, die ein hohes Remis erfochten haben. Dabei sah es lang nach einem Hagenkötter-Erfolg aus, der im Spiel stets die Oberhand hatte. Die beiden anderen Rivalen in dieser sehr ausgeglichenen Gruppe hießen Tilgner und Gersie, die in ihrem Vorstandsduell ebenfalls gleichwertig gut spielten. In der letzten Halbzeitpause dieser Vorgruppe sah alles schon recht klar aus: Tilgner führte gegen Mulasmajic und steuerte unbeirrt den 1. Platz an. Im Verfolgerduell sah es ganz danach aus, als ob Hagenkötter sich gegen Gersie durchsetzen würde. Nach dem 2:1-Anschlusstreffer des Schwalbachers zog der Dortmunder prompt wieder an, stellte mit 3:1 den alten Abstand her und wähnte sich schon mit Sicherheit im Viertelfinale. Dort Gersie gab nicht auf. Wenige Minuten später wieder Hoffnung nach dem 3:2, die sich sogar noch in grenzenlosen Jubel umwandeln sollte. In der 28. Spielminute der Ausgleich – nun stand Gersie im Viertelfinale und Hagenkötter musste alles auf eine Karte setzen. 30 Sekunden vor dem Schlussgong dann der kalte Nackenschlag: das 4:3 für Janus Gersie, der die offene Deckung seines Gegners gnadenlos bestrafte.

 

Arnold Mair und Sandro Salice trafen am Tag zuvor schon in einer Vorgruppe aufeinander, Selsen und Pröhle in einer anderen ebenfalls. Nun standen alle vier in einer Openkategorievorgruppe und suchten zwei aus vier für das Viertelfinale. Pröhle mimte eigensinnig den Underdog: „Mein Ziel ist es Fünfzehnter zu werden“. Doch einen alten Hasen wie Thomas Pröhle muss man erst mal schlagen, wie Uli Selsen zum Beispiel noch am Vorabend unmittelbar nach der Auslosung zutreffend feststellte. Im Match Mair gegen Salice konnte der TSLer zum Vortag erfolgreich Revanche nehmen. Das 0:1 tat dem frisch gekürten Deutschen Veteranenmeister richtig weh, denn dem Gruppenzweiten winkte im Viertelfinale laut Setzbaum kein geringerer als Kegenbein, der Titelverteidiger.

Als eine sehr interessante Gruppe wurde die vierte prognostiziert. Doch wohl kaum jemand hätte erwartet, dass der neue Deutsche U15-Meister Kwiatkowski als Gruppenerster durchs Ziel spurten würde. Die beiden Veteranen starteten denkbar ungünstig mit zwei Niederlagen. Nach weniger als 10 Sekunden lag Büsing bereits zurück und nach zwei Minuten schon mit 0:2 hinten. „Ich dachte jetzt folgt ein Debakel“, meinte der Dortmunder Altinternationale nach dem Spiel. Doch kurioserweise kippten die Spielanteile zu seinen Gunsten, jedoch mit reichlich Schusspech. Eigentlich war er dem Anschlusstreffer näher, als Alex Ruf dem dritten Tor, aber wie es dann immer so ist. Anschließend keimte beim Dortmunder wieder Hoffnung auf, als er beim 6:1 gegen Vogt wie aus einem Guss spielte. Völlig unbegreiflich, wie es dann anschließend für ihn zu einer 2:6-Klatsche gegen Kwiatkowski kommen konnte. Vielleicht ist der junge Berliner aber auch einfach respektabel mehr als ein guter Spieler. Gegen Alexander Ruf ertrotzte „Kwitte“ sich ein 1:1 und hatte am Ende aufgrund der mehr geschossenen Tore hauchdünn als Tabellenerster die Nase vorn. Toll!

Die Viertefinalpaarungen versprachen Spannung und höchstwahrscheinlich Verlängerungen… und richtig. Mit offenem Visier traten Kegenbein und Mair an, im Vorjahr war es das Halbfinale und ebenfalls eng und spannend – so auch in 2010. Einer torreichen, turbulenten ersten Hälfte folgte eine wesentlich gemächlichere zweite. Wenige Zug zum Tor bei beiden, mehr Ballkontrolle und möglichst keinen Ballverlust. Im sudden death holte Björn bei einer seiner wenigen Chancen die ihm „Noldi“ Mair ließ, tief Luft und knallte das 3:2, eiskalt wie eine Gletschermuräne, stramm und unhaltbar in die Maschen. Janus Gersie hatte im letzten Vorrundenspiel spielfrei und beobachtete bereits intensiv seinen Viertelfinalwidersacher Kwiatkowski. Dem schien plötzlich alles zu gelingen und mit der 2:1-Führung zur Halbzeit im Rücken schien alles wie am Schnürchen zu laufen. Doch Gersie bewies wieder Nehmerqualitäten und schaffte es erneut ein Spiel zu kippen. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit erzielte er den 3:2-Siegtreffer. Eine starke Leistung des Schwalbachers, der mit dem Halbfinaleinzug vor der DEM im Traum nicht gerechnet hatte.

Wer Roland Popps Spielweise kennt, sollte wissen, wenn Popp erst einmal in Führung geht, wird es schwer gegen ihn zu gewinnen. Sandro Salice wusste es und konnte schließlich auch nichts dagegen machen. 1A, wie eine deutsche Eiche, stand der Bayer defensiv stabil und nahm bei Ballverlust von Salice viel Zeit in Anspruch, um selbst den Weg zum gegnerischen Tor zu suchen. Das Viertelfinale komplettierte die Paarung Marcus Tilgner gegen Alexander Ruf. Für Subbuteoästeten ein Hochgenuss, auch wenn es torlos nach 30 Minuten endete. Eigentlich hätte jeder der beiden aufgrund der gezeigten Leistungen das Halbfinale erreichen sollen, uneigentlich traf dann der amtierende Pokalsieger einmal richtig und entschied das Spiel knapp für sich.

Nun spitzte sich der Favoritenkreis zu. Popp und Ruf im immergrünen LV Süd-Schlager und Kegenbein gegen Gersie – der Titelverteidiger gegen den Außenseiter. Im vereinsinternen Halbfinalduell der TSG Rain kopierte Alexander Ruf sein Spiel gegen Tilgner auf das gegen Popp. Zwei stabile Defensivreihen und weniger Tempo bei Ruf, als noch in den Vorgruppenspielen. Konsequenz daraus: wenig Torchancen, noch weniger Tore. Das 1:0 aus der 1. Hälfte sicherte Ruf konsequent bis zum Schluss. Finale – doch gegen wen?

Janus Gersie hatte sich vorgenommen unbeeindruckt gegen den deutschen Himmelsstürmer anzutreten und siehe da: Kaum waren 90 Sekunden gespielt ging der Schwalbacher in Führung und schickte noch ein zufriedenes „Jawoll“ hinterher. Mehr jubelte er nicht, denn es gab auch nicht viel Zeit sich über die Führung zu freuen, denn im direkten Angriff nach dem Mittelanstoß kam prompt die Antwort mit dem 1:1. Und kaum hatte Gersie nach dem erneuten Mittelanstoß den Ball wieder verloren, schlug Kegenbein erneut zu und ging nun seinerseits in Führung, die er etwas später sogar noch auf 3:1 erhöhte. Das war’s dann nun, dachte jeder der es mitbekam, doch Gersie spielte nicht nur tapfer weiter mit, hatte nichts mehr zu verlieren und setzte trotzig gleich mal einen 2:3-Anschlusstreffer nach. Zur Halbzeit hatte Kegenbein dann schon fast alles in trockenen Tüchern. Im zweiten Durchgang dann wenig Gegenwehr des nun zunehmend desillusionierter werdenen Gegners und noch drei weitere, schöne Kegenbein-Tore. Janus Gersie sollte die Ehre haben den Torreigen zu eröffnen und auch ihn wieder zu schließen. Mit dem Schlussgong fiel sein 3:8. „Auf das Tor bestehe ich aber!“ Na klar…

 

Shake hands vor dem Anpfiff des Open-Finals: Björn Kegenbein, Schiri sandro salice und Alexander Ruf.
Klick Foto zum Vergrößern

 

Zum Finalschiedsrichter wurde Sandro Salice auserkoren, der seine Sache sehr gut machte, auch wenn Björn Kegenbein hier und da mal ungläubig stutzte. Sieht man es einmal aus der Sichtweite von Alexander Ruf, nahm dieses Endspiel einen Verlauf, der typisch für sein Fortkommen seit den KO-Runden war. Kontrollierte Offensive, weniger Risiko, dafür mehr Sicherheit im Spiel. Ergo: wenig Dramatik, aber dennoch Spannung und großes Subbuteo. Aus Sicht des Rainer Nationalspielers verlief es dann jedoch nicht so wie in den zwei Spielen zuvor, als er jeweils zu Null spielen konnte. In der zweiten Halbzeit gelang es dem jungen Berliner einmal etwas zügiger durch die Mitte durchzustoßen und schon war es passiert: 1:0 in der 22. Spielminute – eine Führung, die er bis zuletzt verteidigte und seinem Gegenüber nicht mehr viel zuließ. Die Schüsse, die Ruf setzen konnte, waren nicht zwingend und führten zu keiner Großchance mehr.

 

Keine Frage, Björn Kegenbein ist verdient Deutscher Meister geworden, hat eindrucksvoll seinen Titel verteidigt und in diesem Jahr zudem noch mit dem U19-Meistertitel einen weiteren hinzugewonnen – den Heimvorteil auf Baumwolle optimal genutzt und kein Spiel an diesem Wochenende verloren. Besser geht es kaum. Gratulation an den zweifachen Deutschen Meister 2010.

Bei der WM im September in Rain wird er allerdings nicht in der Open-Kategorie starten, sondern bei den U19ern versuchen, seinen Weltmeistertitel von 2009 zu verteidigen. Die zwei Startplätze für Deutschland bekommen somit die beiden bajuwarischen Lokalmatadoren Alexander Ruf und Roland Popp – auch keine schlechte Sache. 

Alle Spiele, alle Tore

 

Text: Thossa Büsing
Fotos: Thossa Büsing, Frank Hagenkötter und Thomas Vulpes
© 2010 DSTFB. All rights reserved! Webmaster: Thomas Vulpes